⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 10.06.2026
Der europäische Kryptomarkt steht vor einer drastischen Veränderung. Ab dem 1. Juli 2026 müssen alle Krypto-Börsen in der EU über eine gültige Lizenz verfügen, um weiterhin operieren zu können.
- Nur 14 von 183 Unternehmen dürfen Handelsplattformen betreiben.
- Deutschland hat die meisten MiCA-Lizenzen in der EU.
- Tether bleibt ohne MiCA-Genehmigung und wird nicht unterstützt.
Der europäische Kryptomarkt steht vor einer grundlegenden Umstrukturierung, die ab dem 1. Juli 2026 in Kraft tritt. An diesem Datum endet die Übergangsfrist für die MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets), die es Krypto-Börsen, Brokern und Wallet-Anbietern vorschreibt, eine gültige Lizenz zu besitzen, um weiterhin in der EU operieren zu dürfen. Diese Regelung könnte dazu führen, dass der Markt erheblich kleiner wird, da viele Unternehmen nicht die erforderlichen Genehmigungen erhalten haben.
Was ist die MiCA-Verordnung?

Die MiCA-Verordnung ist ein umfassendes Regelwerk, das darauf abzielt, den Kryptomarkt in der Europäischen Union zu regulieren. Sie legt klare Richtlinien für den Betrieb von Krypto-Börsen und anderen Dienstleistern fest, um die Sicherheit der Anleger zu gewährleisten und einen einheitlichen Markt zu schaffen. Die Verordnung trat in mehreren Phasen in Kraft, wobei die letzte Frist am 1. Juli 2026 endet. Ab diesem Zeitpunkt dürfen nur noch Unternehmen mit einer gültigen CASP-Lizenz (Crypto-Asset Service Provider) ihre Dienste anbieten.
Aktueller Stand der Lizenzen
Aktuell sind 183 Unternehmen in 20 Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraumes mit einer MiCA-Lizenz registriert. Allerdings haben nur 14 dieser Unternehmen die Genehmigung erhalten, eine Handelsplattform zu betreiben. Zu den lizenzierten Plattformen gehören bekannte Namen wie Coinbase, Kraken, Binance, Crypto.com und Bitstamp. Diese Anbieter können ihre Dienstleistungen nach dem 1. Juli 2026 weiterhin EU-weit anbieten, während alle anderen Unternehmen, die keine Lizenz besitzen, ihren Betrieb einstellen müssen.
Die Auswirkungen auf den Markt
Die bevorstehende Frist hat bereits zu einer Marktbereinigung geführt, da viele kleinere Krypto-Unternehmen Schwierigkeiten haben, die erforderlichen Lizenzen zu erhalten. Die Kosten für die Einhaltung der Vorschriften liegen zwischen 250.000 und 500.000 Euro, was für viele kleinere Anbieter eine unüberwindbare Hürde darstellt. Dies könnte dazu führen, dass der Markt in der EU deutlich kleiner wird, da viele Unternehmen gezwungen sind, ihre Aktivitäten einzustellen oder sich mit lizenzierten Anbietern zusammenzuschließen.
Deutschland als Vorreiter
- Deadline: 1. Juli 2026
- Lizenzierte Handelsplattformen: 14
- Anzahl der lizenzierten Unternehmen: 183
- Deutschland: 53 lizenzierten Unternehmen
- Tether hat keine MiCA-Genehmigung
Deutschland nimmt eine führende Rolle im Lizenzierungsprozess ein, da fast 30 % aller MiCA-Genehmigungen in der EU vergeben wurden. Mit 53 lizenzierten Unternehmen ist Deutschland das Land mit den meisten Genehmigungen, gefolgt von den Niederlanden mit 25, Frankreich mit 13 und Malta mit 12 lizenzierten Unternehmen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Deutschland eine zentrale Rolle im europäischen Kryptomarkt spielt und möglicherweise auch als Modell für andere Länder dienen könnte.
Die Rolle von Tether
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Situation von Tether, dem größten Stablecoin auf dem Markt. Tether hat sich bewusst gegen eine MiCA-Genehmigung entschieden, was bedeutet, dass keine MiCA-lizenzierte Plattform USDT unterstützt. Dies hat bereits dazu geführt, dass einige große Krypto-Börsen, darunter Coinbase und Kraken, den Handel mit USDT für EU-Kunden eingestellt haben. Die Unsicherheit über die Zukunft von Tether auf regulierten Plattformen könnte auch das Vertrauen der Anleger in den Stablecoin beeinträchtigen.
Was passiert nach dem 1. Juli 2026?
Nach dem 1. Juli 2026 müssen alle Krypto-Unternehmen, die keine Lizenz besitzen, ihren Betrieb in der EU einstellen. Die Aufsichtsbehörden haben bereits angekündigt, dass sie gegen unlizenziertes Handeln vorgehen werden. Unternehmen, die noch auf eine Lizenz warten, haben keine rechtlichen Schutzmaßnahmen und müssen ihre Aktivitäten einstellen, bis eine Genehmigung erteilt wird. Dies könnte zu einer massiven Marktveränderung führen, da viele Anleger gezwungen sein werden, ihre Gelder auf lizenzierten Plattformen zu transferieren.
Fazit

Die bevorstehende Frist zur Einhaltung der MiCA-Verordnung wird den europäischen Kryptomarkt erheblich beeinflussen. Nur 14 von 183 Unternehmen haben die Genehmigung, Handelsplattformen zu betreiben, was bedeutet, dass viele Anbieter ihren Betrieb einstellen müssen. Die Unsicherheit über die Zukunft von Tether und die hohen Kosten für die Lizenzierung setzen insbesondere kleinere Unternehmen unter Druck. Anleger sollten sich daher rechtzeitig über den Lizenzstatus ihrer Handelsplattformen informieren, um mögliche Verluste zu vermeiden.
Häufige Fragen
Was ist die MiCA-Verordnung?
Welche Krypto-Börsen sind lizenziert?
Was passiert mit nicht lizenzierten Krypto-Börsen?
Wie viele Unternehmen haben eine MiCA-Lizenz?
Was ist die Bedeutung von Tether im EU-Markt?
Quellen: Google News
Symbolbild: Kryptomarkt in der EU unter neuer Regulierung · Foto: George Morina / Pexels

